CALL FOR PAPERS
7. transphilologische Jahrestagung Femmes de Lettres der FONTE-Stiftung
Erkenntnisräume. Narrative weiblicher Selbstbestimmung in Gesprächsinszenierungen europäischer Autorinnen der Frühen Neuzeit
In Il Merito delle Donne (1600), einem literarischen Werk der italienischen Spätrenaissance, treffen sieben recht unterschiedliche Gentildonne zusammen, um sich angenehm zu unterhalten, woraus sich ein am zeitgenössischen Bildungs- und Wissensbestand orientiertes Streitgespräch entwickelt – unter anderem über männliche und weibliche Tugenden und Laster, Geschlechterrollen und Geschlechterhierarchien. Im geschützten Rahmen findet ihr ‚Salon‘ zu-nächst in einem Palazzo-Garten statt, der von einer eigenständig lebenden Frau einst angelegt wurde. Diese ließ auch einen Springbrunnen bauen, den sechs Skulpturen weiblicher Allegorien schmücken. An ihren Impresen identifiziert als Einsamkeit, Freiheit, Keuschheit, Naivität, Falschheit und Grausamkeit stellen die Brunnenfiguren Leitthemen vor, die von den Betrachterinnen erörtert und diskutiert werden.
Die Verfasserin dieses Werks, Moderata Fonte (1555–1592), ist die Namenspatronin der FONTE-Stiftung, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. Anknüpfend an das Förderprofil der Stiftung – Forschungen zu Kunst und Literatur der Frühen Neuzeit, Autorinnen der Vormoderne, Genderthemen – und inspiriert von der Namensgeberin widmet sich die Tagung den Texten europäischer Autorinnen der Frühen Neuzeit, die Gespräche über Geschlechterrollen auf erfahrungsgeleiteten sowie wissenschaftlichen Reflexionsebenen inszenieren.
Eine Durchsicht der thematisch relevanten Handbücher und der einschlägigen Forschungsliteratur zeigt, dass die transphilologische Forschung zum Dialog von Frauen der Frühen Neuzeit weiterhin ein Desiderat darstellt. Hier setzt die geplante Tagung an; sie erweitert die vorliegen-de Dialog-Forschung um geschlechterhistorische Aspekte aus dem Querelle des Femmes-Diskurs und der Salonkultur.
In und mit ihren Werken – so die Leitthese – schufen Autorinnen des 16.–18. Jahrhunderts Er-kenntnisräume, die es in Einzelstudien zu erkunden gilt. Dabei sollen Themen und Narrative weiblicher Selbstbestimmung sowie Formen ihrer Inszenierung identifiziert und analysiert werden.
Denkbar sind einerseits themenorientierte Beiträge, die Beschreibungen und geschlechtsspezifische Deutungen von beispielsweise Begriffen wie Einsamkeit, Freiheit, Keuschheit, Naivität und dergleichen vornehmen. Welche Erkenntnisse und welches Wissen werden durch die Dia-loge der Frauenfiguren vermittelt und generiert?
Andererseits soll ein Augenmerk auf die Inszenierung des Gesprächs gelegt werden, die als äußeres Gerüst die Räume von Erkenntnis definiert – von stilistischen Merkmalen über die Einbettung in bestimmte Rahmen und Settings bis hin zu dargestellten geselligen Praktiken weiblicher Gesprächskultur(en).
Entlang beider Schwerpunkte können weiterführende, disziplinübergreifende Fragen gestellt werden, die ebenfalls Eingang in die Tagungsbeiträge finden sollen: Inwieweit sind die gewählten Themen und Formen an Geschlechtlichkeit und zeitgenössische Geschlechterdiskurse ge-knüpft? Wie sind sie historisch, kultur-, literatur- und kunstwissenschaftlich einzuordnen? Gibt es gattungs- und/oder disziplinübergreifend vergleichbare Phänomene zu beobachten, z. B. auf der Bühne oder in der bildenden Kunst?
Angedacht sind Vorträge à 30 min (je 20 min Diskussion), die sich mit Moderata Fontes Werk und den oben skizzierten Fragestellungen auseinandersetzen. Zusätzlich sollen kleinere Beiträge (à 15 min) reale oder fiktive Erkenntnis-Räume des lehrreichen Gesprächs unter Frauen vorstellen, wie beispielsweise den Brunnen, den Garten, den bureau d’esprit oder den Salon.
Eine Veröffentlichung der Tagungsbeiträge in der Reihe FONTE Atelier. Forschungen zu europäi-schen Autorinnen der Frühmoderne ist geplant.
Thema:
Erkenntnisräume. Narrative weiblicher Selbstbestimmung in Gesprächsinszenierungen europäischer Autorinnen
der Frühen Neuzeit
Zeit:
Freitag 9.Oktober 2026
Ort:
Humboldt-Universität zu Berlin,
Unter den Linden 6,
10117 Berlin
Raum: 2249a
Eingabeschluss: 17. Mai 2026
Organisation und Leitung:Dr. Katja Triebe
FONTE-Stiftungsgastdozentin an der HU
Beitragsvorschläge (max. 350 Wörter) senden Sie bitte an:
- Katja Triebe katja.triebe@hu-berlin.de
- mit CC an Prof. Dr. Renate Kroll renate.kroll@romanistik.hu-berlin.de
Konferenzsprachen: Deutsch, Englisch
Sechste transdisziplinäre "Femmes de Lettres"-Jahrestagung der FONTE-Stiftung
Die FONTE-Stiftung lädt Interessent:innen ein, mit wissenschaftlichen Beiträgen an dieser Femmes de Lettres-Jahrestagung teilzunehmen. Frühere und auch neue Teilnehmer:innen sind herzlich willkommen.
Thema:
Die Kunst des Beschreibens. Ästhetische Diskurse
von Autorinnen der Frühen Neuzeit und Aufklärung
Näheres zum Programm der Jahrestagung 2025 erfahren Sie → hier.
Zeit:
9. - 10. Oktober 2025
Ort:
Humboldt-Universität zu Berlin,
Dorotheenstraße 24,
10117 Berlin
Raum: 3.246
Bewerbungsfrist: 30. April 2025
Organisation und Leitung: Prof. Dr. Barbara Stoltz
FONTE-Stiftungsgastprofessorin an der HU
Anfragen an:
ABENDPROGRAMM zur obigen Tagung.
Gäste sind herzlich willkommen.
Rahmenthema
Begegnungen - Eine Reise durch Bilder- und Klangwelten
Eine Veranstaltung von und mit Emilia Viktoria Lomakova und Katja Triebe Die einführenden Worte spricht Professorin Dr. Astrid Dröse
Ort und Zeit:
Lichthof / Humboldt-Universität zu Berlin Unter den Linden – Hauptgebäude
9. Oktober 2025, 18:30 Uhr
Zum Abendprogramm → hier.
Impressionen von der Jahrestagung Femmes de Lettres der FONTE-Stiftung im Oktober 2025
Prof. Dr. Renate Kroll(Romanistin; Vorstandsvorsitzende der FONTE-Stiftung) und Prof. Dr. Barbara Stoltz (Kunsthistorikerin; Tagungsleiterin und FONTE-Stiftungsgastprofessorin der HU Berlin)
Prof. Dr. Barbara Stoltz (Kunsthistorikerin; Tagungsleiterin und FONTE-Stiftungsgastprofessorin der HU Berlin)
(von links nach rechts) PD Dr. Tilo Renz (Germanist; HU Berlin und LMU München); PD Dr. Irmtraud Hnilica (Germanistin; Vertretungsprofessorin an der Universität Mannheim); zwei Gäste; Prof. Dr. Sonja Klimek (Germanistin; Christian-Albrecht-Universität zu Kiel); apl. Prof. Dr. Annina Klappert (Germanistin; Universität Augsburg und Vertretungsprofessorin an der Universität Erfurt)
(von links nach rechts) Franziska Schreiber, M.A. (Romanistin; Universität Rostock); Dr. Imelda Rohrbacher (ÖAW Wien); (dahinter) Dr. Susanne Gramatzki (Romanistin; Eberhard-Karls-Universität Tübingen); PD Dr. Christoph Oliver Mayer (Romanist; HU Berlin); (vorne rechts) Prof. Dr. Astrid Dröse (Germanistin, KIT/Karlsruhe; Mitglied im Beirat der FONTE-Stiftung); Dr. Oliver Grütter (Germanist, Universität Tübingen) und Gäste
(von links nach rechts) Prof. Dr. Astrid Dröse (Germanistin, KIT/Karlsruhe; Mitglied im Beirat der FONTE-Stiftung); Gastprofessorin Dr. Esther Schomacher (HU Berlin); Dr. Imelda Rohrbacher (ÖAW Wien)
(von vorne nach hinten) Dr. Christiane Müller-Lüneschloß (Romanistin; Christian-Albrecht-Universität zu Kiel); Delf Lützen, M.A. (Germanist; Doktorand an der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel); PD Dr. Oliver Bach (Germanist; Eberhard-Karls-Universität Tübingen); Dr. Rebecca Kaewert (Romanistin; Universität Bremen); Julian Frederik Fischer, M.A. (Germanist; Doktorand an der Ruhr-Universität Bochum)
Die nächste, die 7. Femmes de Lettres - Jahrestagung an der HU findet im Oktober 2026 statt - im Zusammenhang mit dem 25-jährigen Jubiläum der FONTE-Stiftung.
Näheres zur Jubiläumsveranstaltung und zur Tagung wird zu Beginn des Jahres 2026 bekannt gegeben.